Das große Onlineshop-Sterben oder wie 6,9 g deinen Shop vernichten können

Das große Onlineshop-Sterben oder wie 6,9 g deinen Shop vernichten können

Eine ganze Zeitlang war das Sterben kleinerer und größerer Läden in den Städten ein gerne diskutiertes Thema. Die Schuld daran wurde den Online-Shops gegeben. Waren sie doch in der Regel besser ausgestattet und meistens auch noch günstiger als die Läden vor Ort.....

Jetzt dürfen wir unseren Blick aber noch mal erweitern: auch die Onlineläden sterben langsam vor sich hin. Und damit meine ich jetzt nicht die groooooooßen Onlineshops, sondern die kleinen, feinen, inhabergeführten Lädchen. Gerade in Coronazeiten haben sich viele Ladenbesitzer umorientiert und mit Erfolg ihre Ware online präsentiert. Dazu mussten sie viel lernen und sich weiterbilden, denn es ist gar nicht so einfach, einen erfolgreichen Onlineshop zu führen. Ihn zu eröffnen ist mittlerweile gar kein Problem mehr. Aber wie wird er sichtbar in den wilden wirren Weiten des WWW? 

Mittlerweile wird das aber schon wieder uninteressant, denn diese Shops machen nach und nach dicht. Warum? Nicht etwa, weil niemand die handgemachten oder liebevoll ausgesuchten Artikel kaufen möchte. Sondern weil den Besitzern nicht nur Steine in den Weg geworfen, sondern geradezu Lawinen ausgelöst werden.

Man kann es sich mit dem gesunden Menschenverstand gar nicht erklären, welche Hindernisse Shopbesitzer bewältigen müssen. Denn: der Sinn dahinter fehlt. Statt mit unseren Kunden sind wir mit irgendwelchen irrsinnigen Verordnungen beschäftigt und gefühlt steht man immer mit eineinhalb Füßen im Knast. Wir reden hier von kleinen Shops, mit denen ganz normale Alltagsrechnungen bezahlt werden wie Miete, Strom, Pizzaessen oder auch mal ein kleiner Urlaub. Die "Großen" haben kein Problem. Die haben ganze Abteilungen, die diese Probleme für sie lösen. Die "Kleinen" versuchen mühsam, ihren Lebensunterhalt zu retten und dabei nicht unterzugehen - und bekommen es leider nicht hin.

Beispiele gibt es genug: die leidige Verpackungsverordnung (hier nachlesen) und natürlich den Widerrufsbutton (hier nachlesen).

Apropos Widerrufsbutton. Pflicht ab 19.06.26. Angeblich brauchen die Kunden jetzt einen Button, um ihren Kaufvertrag zu widerrufen. Es wäre ja auch zu einfach zu schreiben: "Hey, ich möchte die Tasse doch nicht haben, bitte stornieren". Hat bisher einwandfrei funktioniert, aber da muss wohl was Neues her. Nämlich ein Button und damit auch eine neue Widerrufserklärung (die sich doch eh niemand durchliest), in der steht, dass es einen Button gibt. Aha!

Problem Ebay / Etsy: der Button ist noch nicht da, obwohl wir heute den 20. haben. Bedeutet: wir können alle abgemahnt werden, obwohl wir gar nichts machen können. Denn wir sind völlig abhängig davon, dass Ebay den Button ausspielt. Macht es aber nicht. Und wir können es nicht ändern. Aber immerhin können wir abgemahnt werden, ist ja auch was. Übrigens auch dafür, dass wir unsere Widerrufserklärung schon geändert haben, weil wir im guten Glauben waren, dass Ebay etwas pünktlich umsetzt, was nun Gesetz ist. 

Apropos Abmahnung: hinterfragt eigentlich noch irgendjemand, warum man nicht einfach auf einen Fehler hingewiesen wird, damit man ihn verbessern kann? Warum muss man direkt hohe Summen an den Entdecker dieses Fehlers zahlen und auch noch eine Unterlassungserklärung unterschreiben, damit im Wiederholungsfall (auch wenn es nur ein Versehen war oder ein noch nicht gelöschter Satz) geradezu horrende Vertragsstrafen drohen?

Da wir also bei Ebay / Etsy gerade gar nichts machen können, können wir uns ja schon mal auf die nächste Verordnungsvollkatastrophe vorbereiten - VVV. Ich versuche es für Nicht-Onliner zu erklären.

Wir verschicken Geschirr - dafür brauchen wir einen Karton. Dieser Karton ist in der Regel neu. Denn gebrauchte Kartons bringen schon wieder so viele zusätzliche Probleme auf, dass ich niemals öffentlich zugeben würde, dass ich einen Karton wirklich ein zweites Mal benutze - obwohl die neuen Verordnungen ja angeblich dafür da sind, um Müll zu vermeiden. Finde den Fehler.

Der Hersteller der Kartons muss seine Kartons registrieren. Das ist prima, denn es erspart uns so viel Arbeit. Schließlich ist die EU ja daran interessiert, unnötige Bürokratie zu vermeiden (Vorsicht, das könnte jetzt leicht ironisch angehaucht sein). Deshalb müssen wir ja nur am Anfang eines Jahres schätzen, wie viele Kartons, Pappe, Papier, Luftpolsterfolie, Klebeband, etc wir im kommenden Jahr verbrauchen werden (Glaskugel), am Ende des Jahres dann alle verbrauchten Materialien wiegen, addieren (ich sage jetzt nix dazu) und an LUCID melden. Völlig easy. Dann bezahlen wir ein paar Hundert Euro und schon sind wir fertig. So easy, so teuer, so arbeitsintensiv.

Jetzt kommt´s. Ja, ich bin Psychologin. Ja, mich interessien Menschen und ihre Verhaltensweisen. Und ihre Motivation. Jetzt frage ich mich seit zwei Tagen folgendes:

irgendein Mensch ist auf die Idee gekommen, dass man da noch ein paar Fallstricke einbauen könnte. Denn: wenn man als Onlinehändler etwas verschicken will, dann muss man nicht nur einen Karton haben, sondern auch..... ja?..... einen Adressaufkleber. Ohne diesen Aufkleber wäre es schwierig, den passenden Käufer zu finden, um ihm seinen gekauften Artikel zu übergeben. Jetzt hat der Adressaufkleber aber ein gewisses Gewicht. Da ich jetzt zu faul bin, nach unten zu laufen und einen Aufkleber auf die Waage zu legen, frage ich Chatty. Der sagt: es sind 6,9 g. Achtung! Dies ist eine KI-generierte Textstelle! Man muss ja auch an die neue EU-KI-Verordnung denken!

Also: egal, was der Karton vorher gewogen hat, er wiegt jetzt x + 6,9 g, 

Damit hat er sein Gewicht und somit seine Eigenschaft verändert. Ist eigentlich nicht so schlimm. Mein Gewicht ändert sich ja auch ständig. Wäre da nicht noch eine hervorragende Gelegenheit, ein paar Onlineshops zu stürzen. Denn nun ist man plötzlich nicht mehr nur Versender, sondern Hersteller / Erzeuger eines neuen Kartons. Obwohl er ja eigentlich nur der alte Karton plus ein Aufkleber ist. Zwar wurde der schon mal registriert, aber nun muss er halt noch mal registriert werden. Doppelt hält ja bekanntlich besser und bringt auch mehr Einnahmen. 

Hallo Kennzeichnungspflicht - Hallo Konformitätserklärung - Hallo Registrierung - Hallo Lizenzierung - Hallo Zahlungspflicht

Diese Infos hat der Händlerbund herausgegeben...... (ACHTUNG! Werbung! Durch Nennung des Namens "Händlerbund" habe ich für den "Händlerbund" Werbung gemacht, die zwar nicht bezahlt wird, aber doch den einen oder anderen Leser dazu verleiten könnte, auf der Seite vom "Händlerbund" etwas zu lesen, deshalb muss ich euch ausdrücklich und eindeutig mitteilen, dass das Werbung ist!) - jetzt habe ich meinen Faden verloren..... Achso, also die Zentrale Stelle Verpackungsregister (Werbung) hat dies dem Händlerbund (Werbung) in einem Telefonat (Werbung für den Telefonanbieter, den ich gar nicht kenne, aber Vorsicht ist hier immer geboten) mitgeteilt. Das ist mir jetzt zu doof, als dass ich noch einen Gedanken daran verschwenden will. Fakt ist aber doch, dass es irgendeinen MItarbeiter der ZSV (nochmal Werbung?) gibt, der sich dazu entschlossen hat, das so zu sehen. Was geht in diesem Menschen vor? Wie kommt man auf solche Gedanken? Wie kann so etwas überhaupt laut ausgesprochen werden?

Die Großen können das auffangen und verlieren ihre Konkurrenz.

Die Kleinen gehen irgendwann leise und unauffällig.

Und am Ende wundern sich wieder alle, warum es nur noch dieselben großen Plattformen gibt.

Ich geh mir dann mal einen Filzstift kaufen, damit ich ab August die Adressen und den QR-Code auf den Karton malen kann. Denn wir geben nicht auf, niemals. Unsere Tassen und Teller verdienen ein neues Zuhause - und wir helfen bei der Adoption. Stück für Stück. Karton für Karton. Lieblingsstück für Lieblingsstück.

Übrigens wissen viel zu wenige Kundinnen und Kunden, welche Verpflichtungen und Verordnungen hinter einem kleinen Onlineshop stecken. Genau deshalb schreibe ich so gerne darüber: um aufzuklären.

Viele wissen nämlich gar nicht, warum wir so hohe Kosten haben. Warum Verpackung, Versand, Registrierung, Bürokratie und rechtliche Vorgaben so viel Zeit und Geld verschlingen. Oder warum wir nicht einfach problemlos überallhin ins Ausland versenden können, obwohl wir es sehr gerne würden.

Wenn ihr kleine Shops mit viel Herzblut unterstützen möchtet, dann teilt gerne diesen Beitrag und schreibt unbedingt eure Meinung dazu in die Kommentare.

Ich freue mich sehr darüber.

Danke für eure Unterstützung. 💛

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1 Kommentar

Es wir leider immer irrer,man kann schon eine Absicht dahinter vermuten,gesteuert von großen Shops.

Sylvia Kapel

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