Nicht jeder Porzellanliebhaber ist unser Kunde

Nicht jeder Porzellanliebhaber ist unser Kunde

Ich teile mal wieder meine morgendlichen Gedanken mit euch. Thema Arzberggeschirr und "Mit 50 Euro ist die Kiste gut bezahlt".

Wir haben ja ganz oft dieses Thema "Wert von Porzellan". Warum? Ganz einfach: weil es mir wichtig ist.

Ist euch mal aufgefallen, welche Art Businessseite andere Onlineshops haben? Normalerweise werden auf solchen Seiten einfach nur die Produkte präsentiert. Sinn und Zweck: sie sollen verkauft werden. Deshalb stehen sie im Vordergrund, mit Pauken und Trompeten, mit Glitzer und Glamour. Mit Vorteilen wie Rabatten und Neuheiten und "nur noch gaaaanz wenige vorhanden". Das war´s.

Hey, das kann ich auch. Aber ich mag es nicht.

Nichts würde mir morgens weniger Spaß machen als eine solche Produktpräsentation mit künstlicher Verknappung und Rabattcode, der in 3, 2, 1 ausläuft.

Deshalb mache ich es anders. Just for fun. Und siehe da, über 25.000 Menschen finden das wohl auch einigermaßen interessant. Ihr bekommt meinen Frust mit. Und wenn ich feiere, weil ich etwas Seltenes reinbekommen habe. Ihr lebt in meiner Küche mit, sitzt an meinem Eßzimmertisch dabei und füttert meine Fellnasen. Ich erzähle, wie herausfordernd der Alltag eines Onlinehändlers ist, welche Kosten wir haben, welche Verpflichtungen und Anforderungen wir erfüllen müssen.

Ihr lernt echt viel bei mir 🙂, aber ihr müsst ertragen, dass ich mich echt nicht kurz fassen kann. Muss meine Familie auch. Ist halt so.

Seit ich gestern gelesen habe, dass mit 50 Euro die Kiste Arzberg gut bezahlt ist, geht´s wieder rund in meinem Kopf. Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob der Kollege gemeint hat, dass er 50 Euro im Einkauf bezahlen würde oder ob er sie für 50 Euro weitergibt. Aber: da wurden Äpfel mit Birnen verglichen und das passiert ganz oft bei diesem Thema.

Ich liebe Flohmärkte. Wir kaufen ja selbst dort ein. So sind wir zu wundervollen Einzelteilen gekommen und zu wirklich schönen Servicen. Es macht immer Spaß, mit den Leuten dort zu reden - umso mehr, als dass man uns ja mittlerweile gut kennt und auch hier mitliest. Aber es ist auch klar: wenn dort Einzelteile wie bei uns verkauft werden, dann macht es leider wenig Sinn zu kaufen, weil wir annähernd die gleichen Preise haben. Aber wenn dort Geschirr in Kisten verkauft wird, dann schauen wir natürlich auch ganz neugierig rein und fragen nach dem Preis.

Aus der 50-Euro-Kiste (die wir aber in der Realität dort noch nie gesehen haben) wird dann unsere Arbeit: kontrollieren, ausmessen, aufschreiben, fotografieren, bearbeiten, einstellen, bewerben, Emails beantworten, verkaufen, verpacken... Ihr kennt das ja. DAS ist der Unterschied. Wir geben nicht die Kiste einfach ungesehen so weiter. Vor allem hat der Kollege nicht erkannt, dass es ein Markengeschirr ist.

Wir recherchieren zuerst mal: welcher Hersteller? Welche Serie? Wie sind die Einzelteile aktuell auf den verschiedenen Plattformen eingestellt? Wie sind sie verkauft worden? Wie oft findet man sie oder sind sie eher selten?

Auch wenn das "nur" Geklimper am PC ist - das ist doch die Grundlage unserer Arbeit. Deshalb ist das auch so ein hervorragendes Beispiel gewesen.

Die Leute, die unser Geschirr retten wollen, sind die, die auf der Straße nach rausgestellten Kartons und in Facebookgruppen nach "zu verschenken" suchen.

Die Leute, die auf den Flohmärkten unterwegs sind, sind sozusagen offen für alles, was sie vielleicht entdecken könnten. Jeder Markt hat den Zauber eines (noch) unentdeckten Schnäppchens. Wir gehören auch dazu ❤

Beides ist prima, aber beides sind einfach nicht unsere Kunden.

Unsere Kunden suchen etwas ganz Bestimmtes. Die Kaffeetasse, die Tante Frieda hingefallen ist. Eine zweite Tortenplatte, weil bei so vielen Gästen ein einziger Kuchen zu wenig ist. Alles passend zu ihrem Lieblingsservice. Das finden sie dann problemlos in unserem Onlineshop: Name des Services in die Suchleiste eingeben, anschauen, bestellen, fertig.

Aber heute geht der Trend eindeutig zum Zweit- oder Drittservice 🙂

Und die Fotos auf meiner Seite erwecken hoffentlich den Wunsch: "Hey, das ist aber hübsch. Das hätte ich auch gerne daheim auf meiner Kommode stehen". Geschirr will benutzt werden - auch als reine Deko-Schönheit, die von jedem bewundert wird.

Deshalb ist beides einfach nicht zu vergleichen. Weder das Angebot noch die Kunden. Und schon gar nicht der Preis.

Wir verkaufen nicht einfach den Inhalt einer Kiste. Wir verkaufen die Möglichkeit, genau das Teil zu finden, das jemand tatsächlich sucht. Oder von einem Geschirr gefunden zu werden, das ein neues Fürimmerzuhause sucht ❤

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