Jetzt bin ich gerade wie von der Tarantel gestochen vom Balkon an meinen Schreibtisch geflitzt, weil ich euch was erzählen will.
Wie hoch könnte der allerhöchste Preis sein, den irgendjemand irgendwann dafür bezahlen würde – und wie verhindere ich, dass ich einen Euro zu wenig bekomme?“
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Ich hatte nämlich gerade einen Facebookbeitrag gelesen, wo sämtliche Synapsen bei mir klingelten. Ich erzähle es aber jetzt einfach so, wie ich es in Erinnerung habe.
Der gute Mann hatte ein versilbertes Besteck zu verkaufen und war absolut ratlos, wie denn der Preis dafür sein könnte. Deshalb fragte er in der Gruppe nach, wie denn der Wert ist.
Ihr wisst, eine meiner Lieblingsfragen überhaupt.
Es kamen ganz viele Ratschläge, wo er damit hin soll - was er aber ablehnte, weil er dort nur den reinen Materialwert bekommen würde. Natürlich war "Geh doch zu Bares für Rares" auch wieder dabei, wie immer.
Es kristallisierte sich dann heraus: die Preise, die er im Internet gefunden hatte, beliefen sich zwischen 40 und 800 Euro.
Ein Händler hatte ihm 40 Euro angeboten, der andere 60 Euro.
Aber irgendjemand (privat?) hatte ihm schon 400 Euro geboten. Und von 800 Euro hatte irgendwo Mr. Google gesprochen.
Weiter bin ich nicht gekommen, weil ich ja im Laufschritt zu euch bin.
Die Hauptaussage ist also: "Was ist dieses Besteck wert?"
Das angebliche Problem ist: "Ich finde keinen Preis."
Tatsächlich ist das ein wunderschönes Beispiel dafür, dass es gar nicht um Wert geht, sondern um:
„Wie hoch könnte der allerhöchste Preis sein, den irgendjemand irgendwann dafür bezahlen würde – und wie verhindere ich, dass ich einen Euro zu wenig bekomme?“
Die beiden Händler bieten zu wenig. Abgesehen von den Kosten, die sie haben (das wisst ihr ja alles), wissen sie vielleicht auch, dass dieses Besteck nicht oft gesucht wird und deshalb lange im Lagerraum liegen wird.
Jemand hat 400 Euro geboten - also das Zehnfache vom tiefsten Angebot. Aber es könnten noch bessere Angebote kommen, deshalb hat er es nicht angenommen.
Und schon ist absolut klar, dass der angehende Verkäufer sehr wohl einen Preis hat, den er nämlich zwischen 400 Euro und 800 Euro ansiedelt.
Er mag aber bei 400 Euro nicht zuschlagen, weil er auf 800 Euro hofft. Wir wissen aber nicht, ob das jetzt nur die Wunschvorstellung eines anderen Verkäufers war oder vielleicht ein jahrelang erfolgloses Angebot. Und vor allem weiß ER nicht, wer diese 800 Euro jetzt bezahlen würde.
Und ich frage mich: was sollen die Gruppenmitglieder jetzt antworten? Nichts wird doch jetzt das Problem lösen. Sagen sie 800 Euro, dann sucht man halt immer noch den dazugehörigen Bezahler. Sagen sie 400 Euro, dann bleibt immer noch die Rest-Unsicherheit, ob irgendjemand vielleicht doch noch 405 Euro bezahlt hätte.
Das ist genau der Grund, warum es in unserer Gruppe nicht zugelassen wird, dass jemand nach dem Wert fragt ("Was kann ich dafür verlangen?") und warum ich selbst keine Wertschätzungen mache (Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich gefragt wäre, was denn ein guter Preis für ein Service ist, das ich nicht ankaufen möchte).
Ich weiß, dass es manchmal als Laie wirklich schwierig ist, einen Preis festzulegen. Aber wenn ihr Zeit habt, dann ruft doch einfach 800 Euro VB auf und wartet ab, was passiert. Und wenn es eilig ist, dann nehmt die 400 Euro und freut euch auch über diesen Betrag.