"Aber ich habe gedacht...."

"Aber ich habe gedacht...."

Ich weiß - fies - noch ein Scherbenkistenfoto. Nehmt es mir nicht übel, ich finde die Diskussionen immer so enorm spannend. Tatsächlich denke ich sogar, dass genau DAS mich ausmacht und von anderen unterscheidet.
Denn eine Tasse präsentieren und verkaufen kann ja schließlich jeder.
Hunderte von Kommentaren bekommen und NICHTS verkaufen, das ist hier die Kunst 🙂

Zuerst mal für diejenigen, die es nicht wissen: es fällt mir unfassbar schwer, Porzellan wegzuwerfen, wenn eine Macke dran ist oder ein Riss durchgeht. Verkaufen kann ich das natürlich nicht mehr, meine Kunden verdienen einwandfreie Ware. Aufheben kann ich das auch nicht alles, sonst müllen wir hier zu. Also gibt es bei uns "Scherbenkisten". Für einen Selbstkostenpreis von 3 Euro plus Porto kann sich also jeder Bastler und Kreative sein Material bei uns bestellen. Somit haben die Scherben noch ein zweites (oder drittes) Leben als Mosaik, Fensterbank, Spiegelverkleidung oder Gartendeko. Übrigens würden wir uns alle total freuen, wenn wir von den Werken auch Fotos gezeigt bekommen.....

Jetzt passiert aber regelmäßig folgendes:
meine Scherbenfotos werden nicht nur Followern angezeigt, sondern auch Nicht-Followern, die mich noch nicht kennen. Diese sehen das, was in ihre Welt passt. Das ist menschlich. Sie sehen also Geschirr und möchten es haben. Anscheinend erwecken Kistenfotos außerdem den Eindruck, dass dies alles kostenlos und umsonst ist.
Spoileralarm: nein, das ist nicht so! Wenn ich eine Kiste voller Rolex-Uhren von A nach B transportiere, dann sind die nicht Nichts wert. Wichtig zum Verständnis!

Es gibt jetzt drei Varianten:

1. die, die es verstehen. Diejenigen, die sich über farbenfrohe Scherben freuen, weil es ihr Hobby ist. Und ich bin happy, weil unsere Scherben noch einen Sinn machen.

2. die, die uns gefunden haben. Also diejenigen, die durch die hohe Reichweite dieser Beiträge das erste Mal auf uns aufmerksam werden und nun wissen, wo sie ihre lange gesuchten Teller und Tassen herbekommen. Über diese Menschen freue ich mich natürlich besonders, weil sie irgendwann zu Kunden werden, wenn sie uns genügend vertrauen.

3. die, die mir nicht glauben. Das sind diejenigen, die die teuren Hahn-und-Henne-Tassen aus unserer Scherbenkiste möchten und felsenfest davon überzeugt sind, dass sie ja noch heil sind, weil sie nix sehen. Nein, auf die Entfernung sieht man nun mal keinen Riss. Und schon mal gar nicht, wenn er auch noch auf der Unterseite ist. Aber glaubt mir bitte, dass ich keine 45-Euro-Tasse in die Scherbenkiste werfe, weil ich sie lieber kostenlos hergebe als zu verkaufen. Diese Leute würden mich wegen 3 Euro Selbstkostenpreis vor Gericht zerren, wenn sie denn feststellen, dass die Tasse wirklich einen Riss hat. Da wir nicht alle Scherben beim Versand auch noch dick mit Luftpolsterfolie abpolstern, ist die Wahrscheinlichkeit sowieso groß, dass eine Tasse mit Riss in zwei Teilen ankommt. Totschlagargument: "Aber ich habe gedacht...."

Die Steigerung dazu sind dann noch die Leute, die die Tassen trotzdem haben wollen, weil man ja angeblich gar nicht erkennen könne, dass sie kaputt sind. Wenn ich ihnen daraufhin extra weitere Fotos mache und zuschicke, auf denen man die Schäden deutlich sieht, beschweren sie sich anschließend, ich hätte die Tassen EXTRA so fotografiert, dass man nicht erkennen könne, wie kaputt sie tatsächlich sind - obwohl ich ja deutlich geschrieben habe, dass sie kaputt sind, und sie mir das nur nicht glauben wollten. Würde das denn irgendeinen Sinn machen? Wir legen die kaputten Sachen lediglich mit den spitzen Kanten nach unten, damit sich niemand daran verletzt. Das ist das ganze geheimnisumwobene Geheimnis.

Ich mag diese Punkt-3-Leute aber noch mal unterteilen in:

a) diejenigen, die dann merken, dass sie etwas in den Beitrag reininterpretiert haben und die mir dann einfach nicht mehr antworten. Kann passieren, nicht schlimm.

b) diejenigen, die dann merken, dass sie etwas in den Beitrag reininterpretiert haben und die dann ..... sagen wir mal.... mürrisch werden.
Dann wird mir unterstellt, dass ich mit meinem Polterabendgeschirr angeben will. Hä?
Oder dass ich einen Kredit brauche, weil ich meine Hochzeit nicht bezahlen kann. Ähm.... ich bin 30 Jahre verheiratet, das wäre aber eine lange Darlehenslaufzeit.
Oder dass ich ein Steingutmörder bin (der gefiel mir besonders gut).
Oder dass ich mich falsch ausgedrückt habe - nö, Leute, eine Scherbenkiste ist und bleibt nun mal eine Kiste mit Scherben.
Man kann die "Schuld" für dieses Nichtakzeptierenwollen nicht einfach anderen reindrücken....
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