verpackungsverordnung

Die neue(ste) Verpackungsverordnung

Ich bin Onlineunternehmerin. Ich verkaufe Markenporzellan aus ausgelaufenen Serien. Ich helfe Menschen, ihr Lieblingsgeschirr wieder vollständig zu bekommen oder sogar zu erweitern.

Was habe ich mit Kartons zu tun?

Naja, zuerst mal scheinbar nix. Außer der Tatsache, dass ich das Porzellan ja irgendwie zum Kunden transportieren lassen muss. Da es nur noch wenige Postkutschen gibt, bevorzuge ich neuere Transportunternehmen, die aber laut ihren AGB fast nur noch rechteckige Teile annehmen. Okay. Kanne und Tasse sind ja meist nicht so richtig rechteckig. Da dachte sich irgendein kluges Hirn irgendwann mal: machen wir diese runden Teile doch einfach in eckige Kartons. So weit, so gut.

Ich überspringe mal ein paar Jährchen, in denen das problemlos geklappt hat, und mache gleich weiter bei der neuesten Verordnung: der EU-Verpackungsverordnung ab 12.August 26.......

Diese besagt.... äh... nö, so einfach ist das nicht. Ich habe mich erst ein paar Stunden damit beschäftigt und dabei noch nicht so wirklich rausgefunden, was sie jetzt genau besagt. Denn: sobald ich denke, ich hätte was begriffen, lese ich irgendwo anders, dass das ja noch gar nicht klar ist.

Was ich verstanden habe:

es darf nicht zu viel Luft im Paket sein. Warum nicht? Luft ist ja nicht so schwer und eigentlich auch nicht schädlich. Wie auch immer, die EU möchte nicht zu viel Luft. Also muss man kleinere Verpackungen nehmen. Alle Privatverkäufer, die mir ein 6teiliges Kaffeeservice mit Kanne und Tortenplatte in einem Schuhkarton verschicken, handeln also schon nach der neuen Verordnung? Wer legt denn jetzt fest, welche Größe angemessen ist? Wo kann ich das nachlesen? Und wer haftet für die Scherben, wenn das dann doch irgendwie falsch berechnet war?

Die Verpackungsmaterialien dürfen nicht vielfältig sein. Also zum Beispiel nur Karton plus Papier. Aha. Und die Luftpolsterfolie? Die darf nicht, weil die beziehungstechnisch nicht zum Papier passt? Streiten die sich dann unterwegs? Die passt nur zu anderer Folie, aber dann darf man kein Papier mehr benutzen. Auch keinen Karton? Wer macht mir denn die Pakete auf, guckt rein und stellt dann fest, dass ich zu viele Materialien habe? Und was macht er dann? Wickelt er die Teller dann aus der Luftpolsterfolie raus und stellt sie wieder in den Karton?

An anderer Stelle steht: Nein!!! Stopp!!!! Du hast das alles ganz falsch verstanden. Du darfst mischen - solange es trennbar ist. Äh? Achso. Klar. Trennbar. Ich habe bisher niemals das Papier mit einer Tube Kleber an die Luftpolsterfolie geklebt und ich orakle jetzt mal einfach, dass ich auch in Zukunft dafür keine Zeit haben werde......

Der Karton - das ist das größte Übel überhaupt. Der braucht jetzt nämlich einen QR-Code. Aha. Jetzt könnte man meinen, dass die gekauften Kartons dann halt alle einen QR-Code haben, weil die Empfänger (also derjenige, der eine Tasse von Maria weiss gekauft hat) natürlich zuerst mal ihr Handy schnappen und den Code einscannen, weil es enorm wichtig ist, aus was der Karton besteht! Gespräche drehen sich nicht mehr um das Geschirr, sondern darum, welche Kartons aus den besten Zutaten bestehen. Problem wäre dabei: dienen diese ganzen albern... äh, wichtigen Gesetze nicht dazu, dass weniger Verpackungsmüll anfällt? Also mal abgesehen davon, dass ich jetzt gerade nicht weiß, warum wir weniger Kartons haben, wenn wir da nen Code draufmachen. Aber so rein überlegungstechnisch dürften wir doch dann keine alten, gebrauchten Kartons ohne QR-Code mehr benutzen? Was machen wir damit? Ah, stimmt, die werfen wir weg, damit wir weniger Abfall haben. Ich verstehe.....

Aber das ist noch etwas komplizierter (glaube ich). Der QR-Code soll nicht nur die Angaben vom Karton enthalten, sondern vom gesamten Verpackungsmaterial. Hä? Wie geht das denn jetzt? Muss ich jetzt für jedes Paket aufschreiben, wie viel Papier, wie viel Pappe, wie viel Luftpolsterfolie (achso, ne, darf ich ja nicht) ich verwende und dann einen QR-Code mit meinem Schwarzen Buntstift malen? Muss ich die Länge des Klebebandes abmessen? Auf der Suche nach Antworten fand ich dann... keine Antworten, sondern:

Es ist noch NICHT festgelegt:

👉 wie genau der Code aussieht
👉 ob es ein Standard-System gibt
👉 ob Plattformen das übernehmen
👉 wie detailliert die Infos sein müssen

Nein, schimpft mich nämlich die KI, nachdem ich meinen Text eingegeben habe, du bringst da ja wirklich alles durcheinander.

Richtig ist:

👉 digitale Infos sollen kommen
👉 evtl. QR-Code (oder vielleicht auch ein kleiner Bildschirm?)

Aber:

👉 keine konkrete Pflicht ab 08/2026
👉 keine Umsetzung festgelegt

Also noch mal zusammengefasst: es gilt ab August, aber es steht noch nicht fest, was da genau gilt. Egal, was es ist, du musst es hinterlegen. Wo - das weiß man nicht. Was - das weiß man auch noch nicht. Wie - das steht noch in den Sternen. Die größte Neuerung ist der QR-Code, aber den gibt´s noch gar nicht. Auch nicht im August. Sondern nur irgendwann in der Zukunft. Gut, dass wir drüber geredet haben.

Wenn ich genauer nachforsche, dann stelle ich erstaunt fest: es ändert sich eigentlich gar nichts ab August 2026?

Warum dann also diese Panik?

Ich darf weiterhin munter Materialien mischen, die ich nicht angeben muss, muss keine QR-Codes kreieren, weil das ja noch Zukunftsmusik ist, selbstverständlich soll ich im Sinne des Umweltschutzes auch weiterin gebrauchte Kartons ohne QR-Code benutzen.... Warum gibt es denn dann dieses neue Gesetz, wenn nichts drinsteht?

Bleibt also die Frage, was sich mit August 26 dann ändert? Wo muss ich wie was genau offenlegen? Antwort von Google (ich glaube, der weiß auch nicht mehr weiter und ist komplett verwirrt): die LUCID-Anmeldung.

Doppel-Hä? Aber das mache ich doch sowieso schon seit Jahr(zehnt)en? Das ist doch jetzt nicht wirklich neu? Ich gebe schön brav am Anfang jedes Jahres meine voraussichtliche Menge an Verpackungsmaterial an (weil ich die ja weiß - Kristallkugel und Co). Und am Ende des Jahres korrigiere ich diese Planmenge, indem ich alle Kartons, Papiere, Folien, Klebstreifen, etc wiege und addiere. Für diese Menge an Verpackung bezahle ich dann Geld - also nicht für Kartons, Papier und Luftpolsterfolie - sondern für... äh.... für was jetzt noch mal? Für die Menge, die ich verbraucht habe. Damit das alles auch entsorgt werden kann. Gut, dass ich jetzt nicht noch bezahlen muss, wenn einem Kunden von uns ein Teller hinfällt und der im Restmüll landet... oder auf der Scherbendeponie?

Denn warum machen wir das alles überhaupt - das, von dem wir jetzt gar nicht wissen, was wir machen, und ob wir das überhaupt brauchen oder ob es noch Zukunftsmusik ist oder doch eher Grauzone? Na klar, um dem Verbraucher alles ein wenig einfacher zu machen. Schließlich muss er ja wissen, wie er den Karton und seinen Inhalt entsorgt.

Jetzt einfach nur

Tasse → Küchenschrank,
Karton → Altpapier und
Folie → Gelber Sack,

das wäre ja viel zu unkompliziert.

Stattdessen muss der glückliche Tassenempfänger wissen: wo entsorge ich denn den Karton, wenn er zu 28% aus xy besteht oder zu 54% aus de oder zu 12% aus pq? Wichtig zu wissen, weil... äh, warum eigentlich? Weil ich ihn sowieso ins Altpapier mache, egal, aus was er besteht? Und die Folie mache ich in den Gelben Sack, egal ob das Stück jetzt 17 cm auf 34,5 cm ist oder 5 cm größer? Auch die Frage, ob man den Karton wiederverwenden kann, soll damit geklärt werden. Was gibt es denn zu Ja und Nein noch für Alternativen?

Also ich denke, wir sind da an einem ganz großen Projekt dran, um die Umwelt zu retten..... Warum glaube ich nur so felsenfest daran, dass es durch diese Gesetze wirklich viel weniger Pakete in Umlauf gebracht werden?

Denn so viele kleine Shops werden dicht machen, weil sie endgültig die Schnauze voll haben von dieser unfassbaren Bürokratie, die niemand überblickt. Wundervolle Handmadeshops werden wieder verschwinden. Kleine, inhabergeführte Shops werden schließen, weil der zusätzliche Aufwand einfach nicht zu stemmen ist. Somit haben wir dann tatsächlich weniger Pakete, weniger Einkommen, weniger Shops.

Aber alle die, die in großen Mengen schwarz verkaufen, die werden sich vermehren, weil für sie ja all diese Verpflichtungen nicht gelten. Sie brauche keine QR-Codes, da "privat", und die dürfen auch in alle Länder verschicken, während wir "Offiziellen" den empörten Kunden ablehnen müsssen, weil wir die Kosten dafür nicht tragen können.

Die neuesten Deals für den Versand in andere Länder schreibe ich euch auch noch gleich. Ich muss nur noch die Infos in meinem Kopf sortieren....

Ach, wisst ihr was, ich musste da gar nicht so viel sortieren, ich kann es noch problemlos hier drunterquetschen:

👉 wir haben ein neues Gesetz, das uns Onlinehändlern das Leben ab August sehr viel einfacher machen wird *juchhu*
👉 LUCID bleibt, Symstemregistirierung bleibt, Mengenmeldung bleibt
👉 Versand innerhalb der EU bleibt weiterhin kompliziert.

Na dann, danke für gar nichts....

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