💙Kriterien für einen Geschirrankauf: wie entscheiden wir uns?
Seit über 25 Jahren kaufen und verkaufen wir Markenporzellan.
In dieser Zeit haben wir eine so große Reichweite aufgebaut, dass täglich Dutzende Ankaufsanfragen bei uns eingehen – per E-Mail, WhatsApp oder Kontaktformular.
Jede einzelne Anfrage bedeutet Arbeit: Fotos sichten, Serien erkennen, Preise vergleichen, Nachfragen stellen, Entscheidungen treffen. Das schaffen wir nur, wenn wir sehr klar auswählen – und gleichzeitig respektvoll mit jedem Angebot umgehen.
Eine Absage heißt nicht, dass wir dein Geschirr nicht mögen oder seinen Wert nicht erkennen.
Es geht im Endeffekt einfach rein buchhalterisch darum, ob wir es mit einem angemessenen Gewinn weiterverkaufen können und ob sich die Arbeit für uns (voraussichtlich) finanziell lohnt.
Erste Entscheidungsfragen bei unserem Ankauf
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Hersteller
Manche Hersteller führen wir nicht. Dazu gehören zum Beispiel Mitterteich, Bavaria, Eschenbach, Arzberg und einige weitere.
Auch wenn viele dieser Services wirklich wunderschön sind – wir mussten uns irgendwann auf wenige ausgewählte Marken konzentrieren, sonst würden wir als Kleinkramhändler enden. Wir sind keine Flohmarkthändler und kein An- und Verkauf, sondern ein Fachgeschäft für ausgesuchtes Markenporzellan. -
Serie
Es gibt Serien, die für uns keinen Sinn machen, weil wir sie Ewigkeiten im Regal stehen hätten. Selbst von unserer Lieblingsmarke Villeroy & Boch gibt es Dekore, die wir nicht nehmen - einfach aus der Erfahrung von 25 Jahren Onlinehandel heraus.
Manches hat einfach so wenig Liebhaber gefunden, dass wir diese online nur schwer erreichen können.
Das hat nichts mit Schönheit oder Qualität zu tun, sondern mit fehlender Nachfrage. -
Größe der Sammlung
Einzelteile machen meistens keinen Sinn für uns. Ausnahmen bestäigen natürlich immer die Regel. Aber wenn ich ein Stück für 10 Euro kaufen soll und es fallen für uns noch 8 Euro Versand an, dann können wir es nicht für 20 Euro weiterverkaufen. Das würde natürich wirtschaftlich nicht viel Sinn machen.
Darum prüfen wir immer genau, ob Aufwand, Verpackung und Risiko in einem vernünftigen Verhältnis zum möglichen Verkaufspreis stehen.
Wenn wir prinzipiell Interesse an dieser Serie haben
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Teile
Welche Teile enthält die Sammlung genau? Selbst von unserem absoluten Highlight-Geschirr Wildrose gibt es Artikel, die stehen wie Blei in unseren Regalen und vermehren sich gefühlt über Nacht. Das wären hier speziell Kaffeekannen und Fleischplatten. Enthält eine Sammlung also 4 Kaffeekannen und 8 Fleischplatten, dann ist sie nicht so interessant wie eine Sammlung mit Kaffeebechern und Butterdosen. Es geht da auch nicht nach Größe der Teile, denn die großen Terrinen werden nur noch selten auf den Tisch gestellt und sind deshalb bei den Käufern auch nicht sonderlich begehrt.
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Einzelzustand
Wir wissen, wie schwer es ist, den Zustand eines gebrauchten Geschirrs zu beschreiben. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich nach dem Zustand einer Butterdose gefragt habe und als Antwort bekam: "die haben wir gar nicht benutzt". Wenn ich sie dann in den Händen halte, ist die Enttäuschung oft riesengroß. Braune Verfärbungen am Rand des Oberteils oder sogar mitten auf dem Unterteil sind halt nicht "neuwertiger Zustand", sondern "gebraucht mit Mängeln". In der Kalkulation heißt das dann: Verkauf nicht für 70 Euro, sondern nur für 20 Euro- und das kann alle Rechnerei hinfällig machen.
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Gesamtzustand
"Wir haben das Service gar nicht benutzt" heißt nicht, dass es neuwertig ist, wenn der Vorbesitzer es jahrelang täglich auf den Tisch gestellt hat oder beim Einräumen einfach den Rand abgeschlagen hat. Teile mit Verfärbungen, Macken, Rissen oder auch tiefen Kratzern auf den Tellern kann ich nicht weiterverkaufen, die möchte kein Kunde haben. Ausreden wie "Wir haben es ja auch benutzt, das ist noch gut" oder "Es sind halt Gebrauchsspuren, schließlich ist es ja nicht mehr neu" bringen mich nicht weiter, wenn nachher die Hälfte des Wareneinkaufs in die Scherbenkiste muss.
Ab hier geht es erst um die Preisverhandlung
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Kalkulation
Erst nach Klärung all dieser Fragen fange Ich überhaupt an zu rechnen. Oft nehmen die Verkäufer mir sogar die Arbeit ab und rechnen mir genau vor, was ich mit diesem Geschirr "verdiene". Das stimmt dann aber leider meistens nicht. Denn das, was ich am Schluß für das Geschirr bekomme, ist nicht mein Verdienst. Das ist nur mein Verkaufspreis, von dem ich noch alle Kosten abziehen muss. Erst danach bleibt das, was man wirklich „Verdienst“ nennen könnt – und das ist oft weit weniger, als viele denken.
Der Preis für eine Sammlung ist NICHT die Summe aller Einzelpreise!!!Denn die meisten Kunden suchen nur ein paar Stücke zur Ergänzung, kein komplettes Service für 12 Personen.
Eine bessere Einschätzung gibt es bei Ebay unter "Verkaufte Artikel" und dann nach dem höchsten Preis sortieren. Wenn dort große Sammlungen für 200 Euro weggegangen sind und ich sie nicht gekauft habe, warum sollte ich dann das Doppelte und mehr bezahlen?
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Kosten
Welche Kosten fallen an?
- Einkaufspreis MIT Versandkosten
- Verkaufsprovisionen bis zu 15% von Verkaufspreis plus Versandkosten
- Verpackungkosten wie Seidenpapier, Schrenzpapier, Luftpolsterfolie, Klebeband, Kartonage
- monatliche Shopgebühren plus Kosten für benötigte Erweiterungen und Apps
- Kosten für Zahldienstleister wie Paypal, Shopify Payments und Klarna
- Steuern wie Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer und natürlich auch meine Krankenversicherung
- Lagerung, Raumkosten und Nebenkosten
- Personalkosten wie Löhne, Lohnsteuer, Sozialversicherung, Lohnsoftware
- Steuerberater, IHK, Duales System, Verpackungslizenzierung
- Werbekosten für Google und Meta, Flyer, Werbegeschenke
- Versicherungen
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Einnahmen minus Ausgeben gleich Gewinn?
Leider reicht auch das noch nicht. Denn von dem, was übrig bleibt, muss ich ja auch noch die Investitionen bezahlen wie zum Beispiel das Geschirr, um das es geht. Aber auch Rücklagen für Steuern, unvorhergesehene Ausgaben und Anschaffungen für die Räumlichkeiten, Kfz, etc.
Bis hierhin habe ich also einen Verdienst von NULL. Das ist ganz, ganz wichtig zu verstehen.
Denn: ich möchte ja auch noch einen Lohn für mich haben und nicht, dass alles Null auf Null aufgeht. Ich arbeite jeden Tag, also auch an Samstagen und Sonntagen sowie an Feiertagen. Was wäre eine angemessene Entlohnung für 14 Stunden Arbeit an 30 bis 31 Tagen im Monat? Bei einem Stundenlohn von nur 15 Euro für einen Geschäftsführer wäre ich bei 6.300 Euro im Monat, die ich mir auszahlen müsste. Wenn ich die erreichen würde - und nur dann - wäre das eine Kalkulation, bei der die Einnahmen zu den Ausgaben passen würden.
Ganz wichtig!
💬 Was eine Absage bedeutet und was sie nicht bedeutet
Wenn wir uns gegen ein Geschirr entscheiden, dann heißt das nicht, dass es nicht wertvoll oder besonders wäre.
Manchmal ist „zu besonders“ sogar der Grund – einfach, weil wir dafür im Moment keine passenden Kunden haben.
Jedes Porzellan erzählt eine Geschichte, und oft ist sie eng mit Erinnerungen verbunden. Ich weiß, wie schwer es fällt, sich davon zu trennen – und wie sehr man sich wünscht, dass es in gute Hände kommt.
Darum nehme ich mir jede Anfrage mit Respekt und Sorgfalt vor, auch wenn am Ende nicht jede Sammlung zu uns passt.
Unsere Entscheidungen sind nie gegen jemanden gerichtet, sondern für die Serien, die wir wirklich gut vermitteln können. So bleibt unser Sortiment stimmig, und jedes Stück, das wir annehmen, bekommt die Chance, wieder geliebt und genutzt zu werden.
Manchmal bedeutet Wertschätzung auch, ehrlich Nein zu sagen – damit jedes Geschirr dort landet, wo es geschätzt wird💙
Wir sehen das ganz entspannt: Hauptsache, das Geschirr findet Menschen, die es wirklich zu schätzen wissen. 💛