Tischkultur im digitalen Zeitalter

Immer wieder heißt es: "Schönes Geschirr will heute niemand mehr".

Aber stimmt das wirklich?

Aber stimmen diese Sprüche überhaupt?

Wir kaufen und verkaufen seit mehr als 25 Jahren Geschirr. Das weiß hier jeder, aber ich wollte es werbetechnisch halt doch noch mal unauffällig erwähnen. Würde ich diesen Shop denn machen, wenn niemand mir jemals Geschirr abkaufen würde? Die Antwort dürft ihr euch selbst geben....

Ich sehe oft und leide mit, wenn:

👉 Privatpersonen ihr wunderschönes Geschirr verkaufen möchten und sich einen Preis überlegen

👉 es anschließend Kommentare wie auf diesem KI-generierten Bild hagelt

👉 niemand kauft, weil man ja nicht der oder die Doofe sein will, der Geld für etwas bezahlt, das ja anscheinend sonst niemand mehr will

👉 das Geschirr dann anschließend in der Tonne landet.

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Bitte denkt doch einfach mal mit: 

immer, wenn so etwas kommentiert wird, dann droht die Gefahr von Polterabend und Container. 

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Wo kommen diese Meinungen eigentlich her? 

Oft von eigenen halbherzigen und vergeblichen Versuchen, Geschirr zu verkaufen. 

Statt zu schauen, wie man es besser machen könnte, wird gleich verallgemeinert: "Niemand kauft noch so ein Geschirr. Das kriegst du nie mehr los". Dabei reicht die entsprechende eigene Erfahrung nicht über ein Service, eine Anzeige im Wochenblättchen und zwei Tage Zeitinvestition hinaus. 

Warum sagen so viele Menschen, dass niemand mehr Geschirr will — obwohl gleichzeitig noch jeden Tag nach alten Serien, fehlenden Tellern und Erinnerungsstücken gesucht wird?

Vielleicht gibt es ganz andere Gründe, warum das Geschirr nicht verkauft wurde?

👉 das Geschirr wird nur zur Abholung angeboten, was den Kreis der Interessenten völlig einschränkt

👉 das Angebot ist nicht sexy genug: dunkle Fotos in den Schrank hinein, keine Auflistung der Einzelteile, keine Zustandsbeschreibung, keine Detailfotos

👉 der Preis passt einfach nicht 

👉 je größer das Geschirrset, desto besser? Nein, leider nicht. Weil es nur noch wenige Festivitäten mit so vielen Personen gibt und der Platz zur Aufbewahrung daheim einfach fehlt. Eine Aufteilung in mehrere kleine Konvolute kann beim Verkauf helfen.

👉 die erforderliche Zeit wird unterschätzt. Es dauert einfach etwas. Gut Ding will bekanntermaßen Weile haben. Auch ich verkaufe trotz meiner großen Reichweite nicht alles innerhalb von ein paar Tagen. 

👉 nur weil man online Millionen Menschen erreichen könnte, bedeutet das nicht, dass auch wirklich Millionen Menschen deine Anzeige sehen. Reichweite braucht Erfahrung.

Statt an diesen Stellschrauben zu drehen, was zugegebenermaßen etwas Mühe macht, wird dann vorschnell aufgegeben und das Geschirr kommt in die Tonne. 

Du hältst dich selbst für einen Geschirrliebhaber? Was ist dir Geschirr wert? Was bist DU dir wert?

Und jetzt wird es etwas provokativ....

Du bist Geschirrliebhaber und weinst vergangener Tischkultur nach? 


Wie viel Geld gibst du denn für Geschirr aus? Nimmst du es nur, wenn du es auch geschenkt bekommst? 

Ich sehe in fast allen Geschirr-Facebookgruppen, dass Händlerangebote Null Interesse bekommen. Die Person, die rein privat schon das 67. Service verkauft hat, wird gefeiert als prima Verkäuferin. 

Aber ein Händler hat genau das, was der Postersteller sucht? Null Reaktion. 

Warum? Weil "privat" als "billiger" eingeschätzt wird Der Händler soll ja nix verdienen. 

"Ich will diese Tassen unbedingt und das schon seit Jahren - vielleicht hat sie ja jemand daheim in den Füßen stehen und gibt sie für nen Fünfer ab?"

"Nein, den regulären Marktpreis möchte ich dafür nicht bezahlen."

"Ich suche schon seit Jahren diese seltenen Teller - aber mehr als 3 Euro pro Stück möchte ich nicht bezahlen".

Es geht hier nicht darum, jemanden zum Kaufen zu überreden. Es geht um Bewusstsein.


Wenn wir möchten, dass schönes Geschirr erhalten bleibt, dann müssen wir auch akzeptieren, dass Erhalt Arbeit ist. Dass Suchen Arbeit ist. Dass Verpacken Arbeit ist. Dass Erfahrung Arbeit ist. Und dass Menschen, die diese Arbeit machen, davon auch leben dürfen.